Julia Mensch

ISKRA | Essay über den Gebrauch eines leeren Raums

2014

ISKRA (russisch: der Funke) war die erste kommunistische Zeitung. Sie wurde von Lenin gegründet und im Jahr 1900 zum ersten Mal heimlich in Leipzig gedruckt. Mit der politischen Zeitung sollte die ideologische Einheit der russischen Sozialdemokraten gefestigt werden. 1956 hat die Regierung der DDR in einem kleinen Haus ausserhalb des Stadtzentrums, wo die Zeitung ursprünglich gedruckt wurde, die Iskra Gedenkstätte eröffnet. Nach der Wiedervereinigung wurde diese Gedenkstätte wieder geschlossen. Mein Grossvater Rafael hatte die Iskra Gedenkstätte 1973 als Mitglied der argentinischen kommunistischen Partei während einer politischen Bildungsreise besucht. Er hat eine Postkarte gekauft und fünf Schwarz-Weiss-Fotos gemacht, zwei drinnen und drei draussen. 2012 gehörte das ehemalige Museum der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft und stand leer. Vom Lenin-Denkmal ist nur der Sockel übrig geblieben.
Bis Sommer 2014 gehörte die ehemalige Gedenkstätte der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft und wurde im September 2014 verkauft. Inzwischen ist die Umwandlung in ein privaten Wohnhaus geplant. Bevor das Gebäude der ehemaligen Druckerei und ehemaligen Gedenkstätte eine neue Definition bekommt, habe ich es mit dem Projekt Iskra: Essay über den Gebrauch eines leeren Raums ein letztes Mal öffentlich zugänglich gemacht. Durch die Kooperation verschiedener Akteure wurde eine Reflexion und Diskussion über den vielschichtigen Ort und über Leerstellen in der Erinnerungskultur ermöglicht. Wie wird mit Teilen der zeitgenössischen Geschichte umgegangen und wie werden historische Erzählungen konstruiert, sowohl damals in der DDR, als auch im heutigen Deutschland? Was darf erinnert werden, was nicht? Was ist von der Utopie geblieben, die mein Grossvater in der DDR gesucht hat? Mit der Teilnahme von Boris Buden, Britt Schlehahn, Steffi Marung, Thomas Klemm und anderen.